© Arto Hanciogullari und T. Tsekyi Thür

Andere Lampenarten für Hausgebrauch

Mit „anderen Lampenarten für Hausgebrauch“ meine ich Lampen, die in den Haushalten oft verwendet wurden, sich aber von den herkömmlichen Tischlampen konstruktionstechnisch ziemlich unterscheiden. Das sind:

Standlampen
Hängelampen
Schiebelampen
Klavierlampen
Wandlampen
Küchenlampen


Insbesondere die Stand- und Hängelampen kommen nicht in vielen Sammlungen vor, da sie aufgrund ihrer ausladenden Dimensionen sehr viel Platz beanspruchen. Dabei waren besonders die Hängelampen bei allen namhaften Lampenherstellern in sehr großer Anzahl im Angebot, jedes Wohn- und Esszimmer verlangte doch nach einer solchen Lampe.

 

Standlampen

Standlampen sind sehr hohe Lampen, die dazu bestimmt sind, auf dem Boden eines Zimmers gestellt zu werden, um möglicherweise einen Sessel, ein Klavier oder eine Zimmerecke zu beleuchten. Sie sind damit die Vorgänger heutiger moderner Standlampen, die auch zu gleichen Zwecken verwendet werden. Standlampen wurden in allen oben genannten Ländern in Europa und in den USA angeboten. Sie wurden selbstverständlich mit höheren Verkaufspreisen vermarktet als die wesentlich kleineren Tischlampen.

Hier möchte ich kurz auf eine Eigentümlichkeit der Bezeichnung dieser Lampen in englischsprachigen Ländern hinweisen: Standlampen heißen in diesen Ländern „floor lamp“, „standard lamp“ und auch „piano lamp“. Besonders die letzte Bezeichnung ist für uns Deutsche etwas irreführend. Standlampen heißen in Großbritannien sowie in den USA (und wohl auch in anderen englischsprachigen Völkern) deshalb „piano lamp“, weil sie oft neben einem Klavier zur Beleuchtung der Klaviatur aufgestellt waren. Zu diesem Zweck haben die deutschen Lampenhersteller die sog. Klavierlampe erfunden, die einfach auf dem Klavier aufgestellt wird und mit ihrem seitlich herausragenden Arm die Klaviatur beleuchtet. In manchen deutschen Katalogen wird diese Art der Klavierlampe „Pianino-Lampe“ genannt. „Lampe de piano“ im Französischen ist dagegen der Lampenkörper, der nur aus einem kleinen Glasbassin mit seinem speziellen Metallzapfen und einem kleinen, meist 8- oder 10-linigen Brenner drauf besteht und einfach in die Kerzenhalterungen des Klaviers eingesteckt wird. Diese französische Abart der Klavierlampe wird in Großbritannien „peg lamp“ genannt. Diese Art kommt in Deutschland nicht vor. Also: eine Bezeichnung „piano“ und drei völlig unterschiedliche Lampenarten…

 

Drei Typen von „Piano“-Lampen
Links: Eine normale Standlampe (piano lamp in englischsprachigen Ländern) neben dem Klavier
Mitte: Eine französische lampe à piano (Englisch: peg lamp) eingesteckt im Kerzenhalter des Klaviers
Rechts: Eine deutsche Klavierlampe auf dem Klavier (manchmal auch Pianino-Lampe genannt)

 

Zurück zu Standlampen. Die Standlampen im Kontinentaleuropa bestehen oft aus einer Mittelsäule aus geripptem oder irgendwie anders verziertem Messing. Die Säule wird von drei großen, meistens barockal gestalteten Beinen aus Messingguss gehalten. Oben trägt die Säule eine Vase aus dekorativ geprägtem Messing, der das eingehängte Bassin beinhaltet. Die meisten, aufwändig und hochpreisig hergestellten Standlampen besitzen außerdem einen runden oder quadratischen Tisch aus Marmor bzw. Onyxmarmor, der ca. in der Mitte der Standlampe befestigt ist. Auf diesem Tischlein können natürlich Bilder, Vasen, Bücher, Nippes, etc., aufgestellt werden. Diese Standlampen mit einem Tisch in der Mitte werden in Frankreich „guéridon“ genannt. Britische oder amerikanische Standlampen sind seltener mit einem Tisch bestückt.

Manche Standlampen besitzen zusätzlich eine herausziehbare kleinere Säule innerhalb ihrer Hauptsäule. Bei Bedarf konnte man diese zusätzliche Säule herausziehen und an gewünschter Höhe mit einer Schraube fest arretieren. Dies war wohl bei hohen Räumen der Häuser und Villen von reichen Leuten von einiger Bedeutung. Die Standlampen hatten oft einen breit ausladenden Seidenschirm, der mit Spitzen und Samtbordüren versehen war. Diese Seidenschirme sind heute große Raritäten, da das Material die vielen Jahrzehnte nicht überdauern konnte. Aber auch andere, große Vesta- oder Rochester-Schirme aus Glas kamen in Anwendung.

 

Hängelampen

Diese Lampen gehörten zu den wichtigsten Lampenarten überhaupt, denn sie waren nicht nur in den privaten Haushalten, sondern auch in allen wirtschaftlich genutzten Räumen, z.B. in Restaurants, Fabrikhallen, Behörden, Museen, Theatern, usw., verwendet.

Die Lampen für wirtschaftlich benutzte Gebäude waren relativ einfach, dafür aber sehr robust konstruiert. Sie hatten meistens einen Schirm aus innen weiß emailliertem Blech, der in einer simplen Hängevorrichtung platziert war. In einem Metallring dieser Vorrichtung war der Petroleumtank eingehängt. Die Verstellung der Flammenhöhe und das Löschen der Flamme konnte mit speziell am Brenner angebrachten Schnüren von unten bewerkstelligt werden. Zum Befüllen von Petroleum oder zum Anzünden mussten die Lampen dann doch mit einem Flaschenzug nach unten geholt werden.  Je größer der zu erhellende Raum war, umso größer waren auch die Lampen, die nicht selten mit 30- bis 50-linigen Brennern bestückt waren.

Die Hängelampen für private Haushalte waren dagegen viel dekorativer und ansehnlicher gebaut. Hier wurden eher größere Rochester-Schirme bzw. Tulpenschirme eingesetzt, die mitunter bemalt waren. Die teureren Lampen mit verstellbaren Höhen hingen in ornamentalen Metallketten und verfügten über ein Kontergewicht, damit man die Lampe recht bequem nach unten ziehen und nach dem Befüllen und Anzünden wieder nach oben schieben konnte. Das Kontergewicht mit einem schweren Eisenkern war über lange Ketten mit der übrigen Hängevorrichtung der Lampe verbunden. Diese Ketten wurden  über Rollen im obersten Teil der Hängevorrichtung umgeleitet. Zog man nun den Lampenkörper nach unten, schob sich das Kontergewicht nach oben. Das Gewicht des Kontergewichts war dem Gewicht der übrigen Lampe so weit angepasst, dass man die Lampe in jeder beliebigen Höhe belassen konnte, ohne dass die Lampe nach unten oder gar nach oben rutschen konnte. Überhaupt war die gesamte Hängevorrichtung äußerst dekorativ und die Vasen nicht selten aus schön bemalter Majolika oder bronziertem Zinkguss. Manche Hängelampen verfügten nicht nur über einen Petroleumbrenner als Lichtquelle, sondern auch über 6 oder mehr Kerzen in zusätzlichen Kerzenhaltern.

 

Schematische Darstellung der Höhenverstellung bei Hängelampen
Links: Hängelampe in beliebiger Position
Rechts: Hängelampe weiter nach unten gezogen

 

Erklärung zum Foto:

1 = Obere Rollen
2 = Zugketten
3 = Kontergewicht
4 = Rußglocke
5 = Brenner, Glaszylinder und Schirm (hier schematisch eine Tulpe)
6 = Befestigung am Kettenende
7 = Vase mit den Trägerarmen
8 = Knauf zum Ziehen

 

Das größte Kontingent in diesem Kapitel besteht aus meinen zehn Hängelampen. Diese alle hängen tatsächlich in den Räumen und Fluren unseres Hauses und ziehen oft alle Blicke auf sich, wenn wir Gäste haben. Ich habe versucht, meine Hängelampen mit relativ großen Brennern (meistens 20-linig) auszustatten, die über Galerie-Heber und Löscher verfügen. Der Löscher ist eher eine luxuriöse Zugabe; man kann die Flamme auch ohne große Bemühungen löschen, indem man mit dem Dochtrad die Flamme soweit herunter reguliert, bis sie ausgeht. Der Heber ist dagegen doch sehr wichtig, um die Lampe anzünden zu können, ohne den Glaszylinder (und auch den Tulpenschirm, falls die Lampe einen solchen Schirm hat) ganz umständlich herausnehmen zu müssen.

Die französischen Hängelampen („lampe à suspension“) unterscheiden sich in zwei Merkmalen deutlich von ihren deutschen oder österreichischen Schwestern. Während die Hängelampen aus deutschsprachigem Raum mit bronzierten, gusseisernen Hängevorrichtungen versehen waren, sind ähnliche Hängevorrichtungen der französischen Lampen aus Messingguss. Der zweite Merkmal ist entscheidend: Der Lampenteil der französischen Hängelampen sind selbst eigenständige Tischlampen, die auf einer entsprechenden Plattform der Hängelampe aufgestellt werden. Man kann diese Lampen bei Bedarf aus der Hängelampe herausnehmen und als normale Tischlampen (dann freilich ohne Schirm) benutzen. Auch das Befüllen und das Anzünden der Lampe werden dadurch sehr erleichtert. Bei eBay Frankreich sind die mittleren Lampen solcher Hängelampen noch sehr zahlreich vertreten; die entsprechenden Hängevorrichtungen sind allerdings sehr selten.

 

Links: Typische deutsche Hängelampe mit fest angebrachter Vase
Mitte: Französische Hängelampe mit trennbarem Lampenteil
Rechts: Die eigentliche Lampe von der Hängevorrichtung getrennt

 

Neben diesen luxuriösen, hochwertigen Hängelampen mit verstellbaren Höhen existieren auch einfachere, kleinere Lampen, deren Petroleumtanks (meistens aus einfachem, weißem Milchglas oder Messingblech) in einer vereinfachten Hängevorrichtung eingehängt werden. Die Schirme dieser Lampen waren meistens unbemalte Vesta-Schirme. Die Hängevorrichtung bestand entweder aus einem oben beschriebenen Kettensystem (mit verstellbarer Höhe) oder aus einer in Birnenform entworfenen „Lyra“ (manchmal auch „Harfe“ genannt), die unten den Petroleumtank in einem Ring festhielt (ohne Höhenverstellung). Solche einfachen Hängelampen hingen früher millionenfach in Esszimmern und –lokalen. Heute noch kann man sie oft in nostalgisch eingerichteten Restaurants entdecken, aber jetzt in elektrifizierter Version.

Eine andere Variante der Hängelampen ohne Höhenverstellung besaß einen sog. „Fächerschirm“ von erheblicher Größe. Der Fächerschirm besteht aus einem entsprechend großen, runden Metallrahmen aus Eisen, der mit weiteren Eisenstegen fächerförmig mit einem kleineren, mittleren Ring verbunden ist. In diese entstandenen konischen Flächen werden dann entsprechend geschnittene, farbig gestaltete, flache Glasscheiben gelegt. Die Hängelampen mit Fächerschirmen hingen meistens in größeren Räumlichkeiten und hatten größere Brenner (30-linig und größer).

Die Hallenlampen bestehen hauptsächlich aus einem großen Glasschirm. Der kleine Petroleumtank inkl. des entsprechenden Brenners (meistens 8- oder 10-linig) und Zylinders befindet sich innerhalb dieses Schirms, und ist an einer separaten Plattform unterhalb des Schirms befestigt. Der Schirm und diese Plattform mit dem Brenner sind über eine lange Kette miteinander verbunden. Die Kette wird an der oberen Hängevorrichtung über Rollen geführt (ganz ähnlich zu den Hängelampen, siehe oben). Zieht man nun die untere Plattform mit dem Knauf nach unten, bewegt sich der Schirm nach oben und gibt den Zugang zum Bassin bzw. dem Brenner frei zum Anzünden oder Löschen der Flamme oder zum Befüllen des Bassins.

 

Schematische Darstellung der Benutzung von Hallenlampen
Links: Hallenlampe in normaler Hängeposition
Rechts: Vase und Unterteil auseinander getrennt zum Anzünden oder Löschen

 

Erklärung zum Foto:

1 = Obere Rollen
2 = Zugketten
3 = Befestigung am Kettenende
4 = Glasschirm
5 = Untere Plattform
6 = Knauf zum Ziehen
7 = Bassin, Brenner und Glaszylinder

 

Da die Hallenlampen nicht über ein entsprechendes Kontergewicht verfügen, muss man die heruntergezogene Boden-Plattform ständig mit einer Hand festhalten, sonst rutscht der schwere Glasschirm unweigerlich wieder herunter zu seiner normalen Position. Das ist ein großer Unterschied zu den Hängelampen mit dem Kontergewicht. Freilich muss man in geöffnetem Zustand der Lampe das Bassin mit dem Brenner zunächst herausnehmen, um die nötigen Arbeiten (Anzünden, Befüllen, etc.) außerhalb der Hallenlampe vorzunehmen.

Die Ampellampen hingen oft in Fluren und Vestibülen und hatten mehr die Aufgabe, diese oft dunklen Räumlichkeiten mit einem relativ schwachen Licht zu beleuchten. Bei manchen Hallenlampen waren sogar nur Kerzen verwendet.

 

Schiebelampen

Schiebelampen (auch Studenten- oder Studierlampen genannt) sind besondere Tischlampen, die durch ihre außergewöhnliche Konstruktion ein fast schattenfreies Licht auf den Tisch werfen und somit optimale Lampen für geistige (Lesen, Schreiben, Studieren, etc.) und handwerkliche Tätigkeiten (Nähen, Stopfen, Sticken, Malen, Zeichnen, Reparieren, usw.) im Haushalt darstellen.

Es gibt drei unterschiedliche Formen von Schiebelampen, deren gemeinsamer Bestandteil eine starke Trägerstange ist, die auf einem schweren, stabilen Sockel befestigt ist. An dieser Trägerstange ist die zusammenhängende Einheit aus Petroleumtank mit Brenner und Zylinder so angebracht, dass man sie beliebig nach oben oder unten schieben kann (daher die deutsche Bezeichnung „Schiebelampe“). Man kann diese Einheit an beliebiger Höhe mit einer Schraube festmachen. Die meisten Schiebelampen (mit Ausnahme der von Peigniet-Changeur) erlauben auch die beliebige horizontale Drehung der Einheit an der einmal arretierten Höhe.

Der Hauptunterschied der oben erwähnten drei Typen besteht an ihrer Bassin-Gestaltung, besser gesagt, an der Form der Petroleumzufuhr zum Brenner.

 

Schematische Darstellung der drei Haupttypen von Schiebelampen
A: Schiebelampe mit einer seitlichen Sturzflasche als Petroleumtank
B: Schiebelampe mit einem gewöhnlichen Bassin aus Messing
C: Schiebelampe Vesta von W&W (bzw. von Peigniet-Changeur); die Trägerstange geht durch das Bassin

 

Erklärung zum Foto:

1 = Trägerstange bzw. Mittelpfosten, mit einem Knauf zum Transport der Lampe
2 = Sockel der Trägerstange, fast immer mit einem Eisengewicht beschwert
3 = Schraube zur Festlegung der Höhe für die Einheit aus Bassin und Brenner
4 = Brenner (Argand-Brenner mit Schlauchdocht oder Rundbrenner mit Flachdocht)
5 = Glaszylinder
6 = Schirm (meistens ein Vesta-Schirm aus Glas)
7 = Sturzflasche als Petroleumtank, verbunden mit dem Brenner durch ein Rohr
8 = Dochtzylinder des Brenners; wird von der Sturzflasche mit Petroleum versorgt
9 = Gewöhnliches Metallbassin als Petroleumtank
10 = Länglich-ovales Bassin, das die Trägerstange umschließt

 

Typ A ist das älteste Modell einer Schiebelampe. Es geht tatsächlich auf Ami Argand zurück (1780’er Jahre!), von dem diese Art Öllampe bezeugt ist. Dieses Modell unterscheidet sich von allen anderen Lampen dadurch, dass es ein größeres, seitlich angebrachtes Metallgefäß aufweist (Nr. 7), das die eigentliche Sturzflasche in sich birgt und mit dem Brenner durch ein dünnes Rohr verbunden ist. Damit befindet sich kein breites Petroleum-Bassin unterhalb des Brenners, sondern davon entfernt auf der anderen Seite der Lampe. 

Ein sehr großer Vorteil dieser Anordnung ist das fast schattenlose Licht, das man in unmittelbaren Nähe der Lampe hat, denn unterhalb des Brenners befindet sich nur ein relativ schmaler Metallzylinder als Dochthalter; der breite, voluminöse Tank befindet sich ja auf der anderen Seite der Lampe. C.A. Kleemann aus Erfurt hat die unbestreitbaren Vorzüge der Argand’schen Schiebelampe sehr früh auf Petroleumlampen umgesetzt. Seit Anfang der 1860’er Jahre wurden die Schiebelampen von Kleemann die klassischen Lampen dieser Art. Die etwas komplizierte Funktionsweise der Sturzflasche ist weiter unten mit allen Details erklärt.

Typ B ist die typische Schiebelampe der späteren Petroleum-Ära. Dieser Typus verwendet ein gewöhnliches Bassin unter dem Brenner anstatt einer Sturzflasche. Der Vorteil dieser Lampe liegt daran, dass man jetzt alle üblichen Brenner einsetzen konnte. Aufgrund ihrer einfachen Konstruktion dürften diese Lampen um einiges preisgünstiger sein. Ihr Nachteil liegt am breiteren Schatten, der jetzt durch das Bassin unter dem Brenner gebildet wird. Außerdem muss der Sockel wirklich schwer und ausladend sein, denn die Lampe wird jetzt nur noch einseitig mit Gewicht belastet.

Es gibt Varianten des Typs B mit einem entsprechend dimensioniertem Gehäuse, das wie eine Sturzflasche auf der anderen Seite des Bassins angebracht ist, um das Problem der einseitigen Schwerpunkt-Verlagerung zu beseitigen. Das Gehäuse hat aber keine weitere Funktion. Es gibt auch Elektrolampen mit dieser Anordnung.

Typ C ist eine interessante Variante vom Typ B, indem man den Petroleumtank nicht rund, sondern länglich-oval geformt hat. Die Trägerstange geht dann mitten durch diesen Tank. Mit dieser Anordnung hat man die seitliche Verlagerung des Schwerpunkts zwar nicht ganz beseitigt, doch um einiges vermindert. Die berühmteste Lampe dieser Gattung ist die Vesta-Lampe aus schwerem, reliefiert-verziertem Messingguss von Wild & Wessel, wovon Tausende in Europa und den USA ihre Dienste taten (in den USA nennt man sie „Harvard-Lampe“ aufgrund ihres häufigen Einsatzes in der Harvard-Universität). Diese Lampe wird heute noch zu sehr hohen Preisen gehandelt, obwohl sie relativ oft in eBay auftaucht. Die nicht elektrifizierten und mit dem sehr seltenen Original-Vesta-Schirm angebotenen Exemplare sind allerdings wirklich rar. Mir ist sie einfach zu teuer; daher gibt es keine Vesta-Lampe in meiner Sammlung.

Eine ähnliche, und bei Sammlerkreisen gesuchte Schiebelampe vom Typ C ist die von dem französischen Lampisten Henri Peigniet-Changeur in Paris. Im Gegensatz zu Wild & Wessels Vesta-Lampe, die aus schwerem Messingguss bestand, baute Peigniet-Changeur seine berühmte Bürolampe („lampe de travail“) aus einem verzierten Petroleumtank aus Porzellan, der mit einem Federmechanismus an der Mittelsäule in der Höhe variabel befestigt war. Diese Lampen tauchen ausschließlich in eBay Frankreich auf. Exemplare mit Original-Schirmen gibt es wohl kaum noch auf dem Markt. Der technisch augenfälligste Unterschied zu den anderen Schiebelampen besteht bei der anders gestalteten Mittelsäule: Sie ist nicht rund, sondern quadratisch im Querschnitt, so dass man den Petroleumtank nicht einfach horizontal drehen kann. Außerdem weist diese Säule Einkerbungen auf (ähnlich zu einer Zahnstange), an denen man das Bassin mit einem Federhebel fest einhaken kann. Die Höhenverstellung ist also nur in Stufen möglich.

Sowohl von der Vesta-Lampe von Wild & Wessel als auch von den Bürolampen von Peigniet-Changeur gibt es auch Versionen, die zwei Brennstellen aufweisen. Diese doppelten Schiebelampen sind wirklich sehr rar und daher auch sehr teuer.

Kurz zu Nomenklatur: In deutschsprachigem Raum werden diese Lampen meistens „Schiebelampen“ genannt. Aber auch andere Bezeichnungen wie „Studierlampe“, „Studentenlampe“ oder gar „Goethe-Lampe“ sind geläufig. In den USA, wo sie eine viel breitere Vermarktung erfuhren, werden sie „student lamp“ genannt. In Großbritannien bezeichnet man sie als „reading lamp“.

Die Schiebe- bzw. Studenten-Lampen genießen ein höheres Ansehen in USA, da C.A. Kleemann sehr früh die Schiebelampen in USA eingeführt und erfolgreich vermarktet hat. Die Amerikaner schreiben Kleemann dann doch etwas amerikanisiert als „Kleeman“.  Die Kleemann’schen Lampen haben dort viele Nachfolger gefunden; folglich ist das Angebot solcher Lampen in eBay USA relativ breit, jedoch mit einer ernüchternden Erkenntnis: sie sind fast alle elektrifiziert! Es ist mir doch gelungen, einige nicht elektrifizierte Exemplare „ans Land zu ziehen“.

 

Funktionsweise der Sturzflasche:

Die sog. Sturzflasche ist ein zylindrisches, längliches Gefäß aus Eisenblech, das an seinem oberen Ende dicht verschlossen ist. Unten weist sie eine kleinere Öffnung auf, in der sich ein bewegliches Ventil in Kugelgestalt befindet. Die Sturzflasche ist im seitlichen, an der Trägerstange angebrachten Metallgefäß der Schiebelampe eingesteckt. Dieses seitliche Gefäß ist durch ein dünnes Rohr mit dem Brenner verbunden. Dass der ganze Inhalt der Sturzflasche nicht auf einmal zum Brenner läuft und alles überschwemmt, liegt daran, dass sie oben ganz hermetisch abgeschlossen ist und sobald etwas Petroleum zum Brenner fließt, ein Vakuum (Unterdruck) im quasi luftleeren Raum oberhalb des Petroleumpegels in der Sturzflasche entsteht. Dieser Unterdruck verhindert, dass mehr Petroleum zum Brenner gelangt. Ist das Petroleum im Brenner durch Verbrennung soweit abgesunken, dass die Mündung des Verbindungsrohrs im Brenner frei wird, gelangt Luft hinein in die Sturzflasche; der Unterdruck wird vermindert und es fließt so viel Petroleum zum Brenner, bis diese Mündung wieder durch gestiegenen Pegel des Petroleums von weiterer Luftzufuhr abgeschnitten wird. Die nächsten zwei Bilder veranschaulichen die Funktionsweise der Sturzflasche anhand einfacher Schemata am besten.

 

Links: 1 = Leere Sturzflasche, umgedreht, mit der unteren Öffnung nach oben.
2 = Die untere Öffnung.
3 = Das innere Ventil, mit eigenem Gewicht nach unten gerückt und die Öffnung freigegeben (dieses Ventil hat eigentlich die Gestalt einer Kugel). 
Mitte: 4 = Sturzflasche gefüllt mit Petroleum.
Rechts: 5 = Die volle Sturzflasche umgedreht; der Oberteil ist hermetisch dicht.
6 = Das Ventil ist jetzt unten und schließt selbsttätig die untere Öffnung.
7 = Oberhalb des Petroleumpegels ist ein luftleerer Raum mit Unterdruck.

 

Links: 8 = Das seitliche Gefäß der Schiebelampe mit der eingesteckten Sturzflasche.
9 = Das dünne Verbindungsrohr zum Brenner.
10 = Der schmale Zylinder unterhalb des Brenners (Brenner hier nicht eingezeichnet).
11 = Der Boden des äußeren Gefäßes stößt das Ventil nach oben; die Öffnung der Sturzflasche wird freigegeben; Luft kommt durch das Verbindungsrohr in die Sturzflasche; der Unterdruck wird beseitigt; Petroleum fließt zum Brenner.
12 = Die Öffnung des Verbindungsrohrs ist noch offen zum Lufteintritt.
Rechts: 13 = Der gestiegene Petroleumpegel schließt die Öffnung des Verbindungsrohrs; kein Lufteintritt mehr möglich.
14 = Der erneute Unterdruck in der Sturzflasche stoppt den Petroleumfluss (bis das Niveau vom Petroleum durch Verbrennung etwas abgesunken ist und die Öffnung des Verbindungsrohrs wieder ein Stückchen freigibt).

 

Klavierlampen

Ich hatte schon bei den typischen Merkmalen der deutschen Lampen erwähnt, dass sich die deutschen Klavierlampen von den Lampen anderer Länder zur Beleuchtung eines Klaviers grundsätzlich unterscheiden. Diese Lampengattung ist eine reine deutsche Erfindung. Die Form des seitlich herausragenden Verbindungsrohrs, das den Lampenkörper mit dem Brenner verbindet, erinnert an die Schiebelampen mit einer Sturzflasche. Hier befindet sich aber keine Sturzflasche in der Lampe. Der Lampenkörper selbst ist ein Petroleumtank, der einfach mit dem dünnen Rohr im Kontakt zum Brenner steht. Ein permanent offenes, kleines Loch am Füllstutzen des Bassins sorgt dafür, dass es zum Druckausgleich zwischen Bassin und Brenner kommt. Der Petroleumpegel in der gesamten Lampe sinkt gleichmäßig, wenn Petroleummenge durch Verbrennung reduziert wird.

 

Immer gleiches Petroleum-Niveau im Bassin und Brenner

 

Deutsche Klavierlampen haben durch Blei- oder Eiseneinlagen extra beschwerte Lampenkörper, um den aus der Lampe seitlich herausragenden Arm zu halten, an dem Brenner und Schirm befestigt sind. Klavierlampen konnten auf diese Art und Weise die Klaviatur eines Klaviers erhellen, wenn sie auf einem Klavier aufgestellt waren. Natürlich wurden sie auch bei Schreibsekretären zu dem gleichen Zweck aufgestellt.

 

Schematische Darstellung der Klavierlampen
Links: Gewöhnliche Klavierlampe mit dem Brennerarm über der Tastatur
Rechts: Klavierlampe zusätzlich mit zwei Spiegeln, aber ohne Schirm

 

Die hochwertigen Klavierlampen waren zusätzlich mit einem konkaven Spiegel hinter dem Brenner und mit einem in seiner Neigung verstellbaren, größeren Spiegel über den Brennerarm hinaus bestückt. Das Licht der Flamme wurde von dem konkaven Spiegel gebündelt auf diesen zweiten Spiegel gelenkt, um von dort nach unten auf die Klaviertasten zu gelangen.

Das erstere, gewöhnliche Klavierlampe benötigte unbedingt einen Schirm mit weißer Innenfarbe, denn nur die Innenfläche des Schirms reflektierte das Licht nach unten. Die zweite Art der Klavierlampe benötigte zur Lichtlenkung nach unten keinen Schirm, denn diese Aufgabe wurde mittels Spiegel elegant gelöst. Bei dieser Sorte durfte man sogar gar keinen Schirm aufsetzen, der sonst die Lichtintensität vermindert hätte.

Diese „non plus ultra“-Sorte der deutschen Klavierlampen mit zwei Spiegeln ist sehr rar. Komplett erhaltene Exemplare kosten mehrere Hundert Euro. Ich habe leider kein einziges Stück davon.

 

Wandlampen

Diese sind an einer Zimmerwand angebrachte Lampen, die an einem manchmal drehbaren, häufig jedoch fest installierten Arm befestigt sind. Die restlichen Teile der Lampe sind analog den herkömmlichen Tischlampen, das heißt, sie bestehen aus einem mehr oder weniger verzierten Petroleumtank, worauf der Brenner, der Zylinder und der Schirm angebracht sind. Ich habe vier Wandlampen aus der hier vorliegenden Sammlung entfernt, da ich sie sukzessive mit anderen, höherwertigen Lampen ersetzt habe.

 

Küchenlampen

Küchenlampen sollte man auch zu den Wandlampen zählen, denn normalerweise hingen sie an einer Wand in der Küche. Sie waren jedoch nicht fest an der Wand montiert, sondern nur einfach an einem Nagel gehängt. Man konnte sie damit bei Bedarf aus der Wand entnehmen und auf einem Tisch platzieren, denn ihr Petroleumtank war immer mit einem flachen Boden versehen. Sie waren damit recht flexibel in der Handhabung. Sehr oft waren diese Lampen sehr einfach; sie mussten ja nicht dekorativen Zwecken dienen. Sie hatten auch keinen Schirm, denn das Licht des Brenners sollte möglichst ungehindert die Arbeitsflächen in der Küche beleuchten. Um ihre Lichtausbeute zu verbessern, trugen sie aber oft eine Licht reflektierende Scheibe hinter ihrem Brenner, die in einfachen Lampen aus blankpoliertem Metall, in etwas teureren Arten aus einem Spiegel bestand. Meine fünf Küchenlampen mussten ebenfalls ihren Platz für höherwertige Tischlampen ausräumen.

 

Betreffende Lampen in der Sammlung

In meiner Sammlung befinden sich 3 Standlampen, 10 Hängelampen (davon eine als Hallenlampe), 6 Schiebelampen und 4 Klavierlampen. Alle dieser Lampen sind in den jeweiligen Kapiteln von ihren Herkunftsländern schon vorgestellt und beschrieben. Ich stelle sie hier in zwei Unterkapiteln erneut vor, um ihre gemeinsamen technischen Merkmale aufzuzeigen:

1. Stand- und Hängelampen
2. Schiebe- und Klavierlampen

Meine Wand- und Küchenlampen mussten ihren Platz zugunsten höherwertigen Lampen ausräumen. Sie sind aus der regulären Sammlung aussortiert.

Wichtig: Die in den Sammelfotos voneinander getrennt abgebildeten Lampen haben unterschiedlich vergrößerte Fotos; daher sind sie visuell größenmäßig nicht vergleichbar.